Manchmal denke ich nach … Wer Platons Höhlengleichnis zum ersten Mal gehört hat, muss sich vermutlich so gefühlt haben:
‚Das war jetzt etwas schwer verdaulich, aber … ich glaube, ich bin auch in dieser Höhle?‘
Viele kennen die Geschichte, aber ich erzähle sie trotzdem.
Menschen sind in einer Höhle angekettet. Sie können nur die Schatten sehen, die sich auf die Wand vor ihnen projizieren. Ihre gesamte Wirklichkeit besteht aus diesen Schatten. Mit anderen Worten … sie sehen sich buchstäblich ein Schattenspiel an.
Dann befreit sich eine Person von ihren Ketten. Sie geht nach draußen und sieht die Welt zum ersten Mal in ihrer wirklichen Gestalt. Die Sonne, die Farben, die Bewegung … also das Jenseits der Schatten.
Sie kehrt zurück und erzählt:
‚Freunde … das, was wir gesehen haben, waren nur Spiegelungen. Draußen gibt es eine andere Wirklichkeit. Viel tiefer, viel heller.‘
Was, meint ihr, sagen die in der Höhle?
‚Danke, aber wir sind mit diesen Schatten sehr glücklich. Außerdem soll es draußen blendend sein. Das brauchen wir nicht.‘
Das erinnert mich sehr an eine bestimmte Situation:
Zum Beispiel sitzt man mit jemandem zusammen und sagt:
‚Eigentlich spiegelt Social Media das echte Leben nicht vollständig wider. Alles ist ein bisschen arrangiert, ein bisschen gefiltert, manchmal sogar inszeniert …‘
Die Reaktion ist dann:
‚Aber das macht doch jeder so. Ist das nicht normal?‘
Und ich sage mir innerlich:
‚Ja, vielleicht schauen alle Schatten an, aber das bedeutet nicht, dass sie die Wahrheit sind.‘
Und eines Tages ertappe ich mich dabei, wie ich folgenden Satz sage:
‚Ich sage den Menschen in der Höhle, dass die Schatten nicht die Wahrheit sind, sie glauben mir nicht; denn die durch Gewohnheiten erzeugte Illusion weist jede Idee zurück, die die Grenzen der Realität überschreitet.‘
Ich weiß, das ist ein langer Satz. Aber manchmal fühlt es sich eben so an.
Und auf seltsame Weise fragt danach jemand zurück:
‚Und die Welt außerhalb der Höhle … ist sie wirklich so hell?‘
Und genau dann geht man vielleicht gemeinsam hinaus.
Oder zumindest schaut jemand einmal kurz auf seine Kette.
Das ist auch kein schlechter Anfang.